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Was uns zufällt,  KRONE BUNT

Freund Udo ruft aus Berlin an: „Du hast mir eine Nachricht im Mai geschickt. Sie war so schön. Ist das Zufall, dass ich deine Zeilen erst zu meinem Geburtstag im August im Computer finde?“ Ist das jetzt Zufall? Und was ist der Zufall? Ist es Zufall, dass meine Zeilen über den Äther gewandert und zu einer passenden Zeit bei dem Freund angekommen sind? Eine Frage, die die Menschen beschäftigt, seit sie sich Gedanken über das Leben machen. Es ist heute wieder modern geworden, über den Zufall nachzudenken. Dass nicht alles, was wir nicht verstehen, logisch erklärbar ist, wird eingeräumt. Dass nicht alles, was wir untersuchen, wie eine Maschine funktioniert, ist auch schon bekannt. Aber vielleicht ist es tröstlich, zu denken: das ist kein Zufall. Der Mann, den ich gestern kennen gelernt habe, das kann doch kein Zufall sein! Unter hunderten Menschen haben gerade wir zwei uns gesehen. Den Arbeitsplatz, den ich gerade bekommen habe: ist das Zufall, Glück, Schicksal, Fügung? Viele wüssten es gerne genauer, wie die geheimen Wege des Lebens funktionieren, weniger, wenn sie leiden als wenn sie etwas Schönes erleben. Und was ist dann mit dem freien Willen, wenn alles Zufall ist? Können wir gar nichts ganz alleine bewirken? Manche helfen sich mit dem Satz: Die Zeit ist noch nicht reif. Andere sagen: Der günstige Augenblick ist noch nicht herbeigekommen. Vielleicht ist Zufall das, was uns zufällt. Wie das Leben, ein Geschenk. Die Frage wäre es wert: was ist mir schon alles in meinem Leben zugefallen, zugelaufen, zufällig passiert?

Wer das Glas leer trinkt, auf den wartet Gott

Wenig bekannt ist, dass die großen Physiker des 20. Jahrhunderts herausgefunden haben, dass auch die exakte Wissenschaft den Zufall vorfindet. Es war eine gedankliche Revolution in den 1930er Jahren. Bei der Messung von Wellen und Teilchen sind Physiker darauf gekommen, dass keine sinnvolle Unterscheidung zwischen Teilchen und Wellen möglich ist, sondern sich Objekte je nach Beobachtung sozusagen zufällig als Welle oder als Teilchen verhalten. Werner Heisenberg und Erwin Schrödinger haben mit der Quantenphysik neue Maßstäbe gesetzt und dem Zufall die wissenschaftliche Ehre gegeben. Sie sind an die Grenzen ihrer Idee, die sie sich von der Welt gemacht haben, gestoßen. Gott sei Dank ist die Welt kein Auto, kein Motor, keine Maschine, sondern ein Geheimnis bis zuletzt. Ja, es gibt den Zufall. Der Physiker Anton Zeilinger sagte in seiner Eröffnungsrede der Festwochen in Gmunden vor kurzem: „Die Physik ist eben wie ein Glas: wer einen Schluck trinkt, wird zum Atheisten. Wer das Glas leer trinkt, auf den wartet Gott am Grund.“

Nur kein Gleichklang! KRONE BUNT

Nina sehnt sich nach einem Mann für`s Leben. Wie er sein soll? Ja, eben ideal. Im Radio reden junge Menschen nachts über den Traumpartner, die Sehnsucht füllt ein ganzes Format, viele Formate, Illustrierte und Gespräche, Kaffeehäuser und Bierzelte. „Ich möchte, dass er zärtlich ist, mich versteht und auch meine Interessen teilt.“ Patrick sucht sie auch, in seinem Fall die Traumpartnerin. „Ich möchte, dass sie zärtlich ist, mich versteht und meine Interessen teilt.“ Wo in der ganzen Welt hat denn jemals eine Frau einen Mann verstanden und seine Interessen geteilt und umgekehrt? Sind nicht Mann und Frau einander die zwei unbekanntesten Planeten im All? Sind sie nicht auch diejenigen, die prinzipiell alles falsch verstehen, was der Partner sagt, weil sie in anderen Bahnen denken, in verschiedenen Welten leben? Die einen gebären Kinder und die anderen kämpfen bis zum Ende. Gibt es denn einen größeren Unterschied als den zwischen den Geschlechtern? Nicht umsonst wurde dem Menschen der alles überwindende Sexualtrieb von Gott geschenkt, nicht als Verführer, wie ihn die Mönche der Wüste vor 2000 Jahre empfanden, sondern als größtes Wunder, das Leben schenkt und die Einsamkeit überwinden hilft. Weil Mann und Frau die Sexualität aneinander bindet, zueinander zieht mit heißem Begehren, deshalb können sie auch das Fremde im Anderen ertragen und können akzeptieren, dass sie einander wenig verstehen. Das Drama des Lebens wird nicht im Gleichklang entfaltet, sondern in der Spannung zwischen Vertrautem und Fremden, zwischen

Harmonie im totalen Sinn bedeutet Tod, Auseinadersetzung aber Leben

Anziehung und Abgrenzung. Wer will, dass ein Paar immer mit einem Mund redet, in einem Sinne denkt, ist ein Despot oder Tyrann. „Wir waren immer gleicher Meinung“ – eine einzige Lüge. Deshalb ist die Beziehung zu einem anderen Menschen immer wie die zu einem Fremden. Sie macht Angst, sie führt an die Grenze des Erträglichen, sie ist alles andere als harmonisch. Denn Harmonie im totalen Sinn bedeutet Tod, Auseinandersetzung aber Leben. Was den jungen Menschen, die nach der großen Liebe suchen, zu raten wäre? Suche dich zu allererst selbst, lerne dich selbst kennen und sage zu dir selbst immer wieder: „Ich möchte, dass ich zu mir zärtlich bin, mich verstehe und meine Interessen teile.“ Die sich selbst wirklich lieben sind nämlich auch die Überzeugendsten. Das Besondere konnte Jesus von Nazareth: sich als Mann mit den Frauen an einen Tisch setzen, mit ihnen reden und sie soweit verstehen, dass er sie auch heilen konnte. Schön wäre es, von ihm zu lernen.

Riech mich! KRONE BUNT

Als ich gestern die Weizenfelder sah, war ich glücklich. Die Wiesen werden geschnitten und ich rieche den Sommer – seit meiner Kindheit war es immer so. Der Sommer duftet, riecht so hundertfach, dass endlich die Nase Hochzeit feiern kann. In einer Wochenendausgabe einer Tageszeitung schrieben vier moderne Autoren über den Sommer, bei keinem duftete er. Dabei ist das Geruchsorgan das älteste, das erste und das letzte im Leben. Moorbadesse im Waldviertel duften ganz anders als das Meer, Schwimmteiche, wilde Flüsse und kalte Seen. Wie die Kartoffel duften, wenn sie abends an einem Lagerfeuer gebraten werden und die flirrende Hitze in der Stadt, wenn sie auf ein grünes Stück Park trifft? Das Obst duftet im Sommer wie eine Liebesgeschichte, erzählt von den Himbeeren und den Weichseln, von den Stachelbeeren und den Pfirsichen, gar nicht zu reden vom Essen, das der Sommer in uns zum höchsten Genuss entfaltet! Der Venezianer Giuseppe Cipriani erfand das wunderbare Getränk Bellini, aus reifen Weingartenpfirsichen und Prosecco zur

Die Natur will uns versöhnen und an das Paradies erinnern

Vollendung gebracht. Oma erfand den Obstkuchen, mit dem Obst der Saison immer ein Best-Schmecker. Jeder gute Sommer beginnt außerdem mit dem Früchteeis, das uns mit der Hitze versöhnt. Von den Blumen ist mir die Rose die liebste, denn nicht nur ihr Geruch ist herrlich und ihr Anblick hält den ganzen Sommer, sondern Rosenwasser, Rosenrahat, Rosenzucker und Rosenparfum sind unübertrefflich. Damit sich jetzt nicht der Phlox grämt, muss ich auch ihm die Note „sehr gut“ als Topliebling des Sommers geben. Eine Blüte abgezupft und an die Nase gehalten bleibt dann picken und die Kinder freuen sich. Bei seinem Duft bin ich im Sommer angekommen und will ihn nie mehr wieder verlassen. Auch wenn Menschen im Sommer großes Leid trifft, die Natur will uns versöhnen mit ihren Düften, die an das Paradies erinnern. Sie sagt: riech mich, erforsche mich, nimm Anteil an meiner Schönheit, du hast sie nur kurz, einen Sommer lang. Ich erinnere dich an die große Pracht und an die Vergänglichkeit. Im Hohelied der Liebe steht: „Ich bin gekommen, meine Schwester, liebe Braut, in meinen Garten. Ich habe meine Myrrhe samt meinen Gewürzen gepflückt; ich habe meine Wabe samt meinem Honig gegessen; ich habe meinen Wein samt meiner Milch getrunken. Esst, meine Freunde, und trinkt und werdet trunken vor Liebe.“ Der Garten und seine Früchte, ein altes Bild der Liebe für den Menschen. Ach, wie ist die Welt doch von großer Weisheit erfüllt.

Das Kleinformat

Herzig ist es, wie die sich großformatig Dünkenden alles Kleinformatige anprangern. Die Überheblichkeit sollte jedoch bei der Einsicht enden, dass der Mensch an sich kleinformatig konzipiert ist. Die „Kirche-Kinder-Küche“-Formel ist mühelos auf die anzuwenden, die mit den Basics nichts zu tun haben wollen. Hochfliegende Ideen werden zum kleinformatigen Machtkampf, wo auch immer. Die Großformater werden plötzlich ganz klein, wenn es darum geht, auch Frauen zu fördern, ihren eigenen Frauen und Kindern auf gleicher Ebene zu begegnen. Da passt in den großen Lebensentwurf dann ein vielfaches an Kleinformaten hinein. Dass der Mensch kleinformatig konzipiert ist, hat ja was Nettes. Im Grunde sind ihm komplexe Aufgaben fremd. So schaut dann auch die Welt aus. Schon Erdölplattformen bauen – aber danach? Vor 40 Jahren wollte mir ein Atomphysiker einreden, dass dann der Atomabfall mit Zelten geschützt werden könnte. Hat mich nicht überzeugt.

Also lassen wir die Kirche im Dorf und gönnen wir den Leuten das kleine Format. Grösser kann es ja immer noch werden, aber dann bitte ordentlich.

Der magische Moment, KRONE BUNT

Er ist immer da, doch unbemerkt. Versteckt in den Augen des Menschen, der es gerade gut mit mir meint, unbeachtet im Garten nebenan, der mich anlachen will, gar nicht zu reden von den Wolken, die am Himmel hin- und herziehen. Ich bin umgeben von der Erfahrung des Übersinnlichen, Magischen, Göttlichen, jede Sekunde. Es will mich erreichen. Der Zauber, die Magie, das Unerwartete hat kaum Gesetze, nur eines ganz sicher: ich kann es nicht erzwingen, dass der magische Moment kommt. Und wenn ich noch so darum kämpfe, irgendwann ist es Zeit, loszulassen und den magischen Moment kommen zu lassen. Wenn die Fussballer um ihre Bälle laufen, kämpfen, alles tun, den Sieg haben sie nicht in der Tasche Viel wird geredet von der Magie des Spiels. Gut spielen kann man lernen, die Magie des Augenblicks ist nicht erzwingbar. Das Spiel hat weltweit so viele Bewunderer, weil die Magie des Augenblicks süchtig machen kann. Manche sagen, der Ball rollt und dann ist es da, das Geheimnis, das jedes schöne Tor umgibt. Ja, es stimmt, der eine hat den guten Pass gemacht, aber warum stand der andere gerade so da, dass der Ball herrlich ins Kreuzeck ging? Analysen sagen, dass nicht die starken Spieler allein gewinnen, sondern das Team, die Gemeinschaft. Größte Leistungen sind eine gute Mischung von Einzelleistung und dem Team. Wenn es aber ein Rezept dafür gäbe,

Zur rechten Zeit kommt der magische Moment im Loslassen

wären alle Firmen weltweit erfolgreich. Zur rechten Zeit kommt der magische Moment im Loslassen. Die Sensiblen der Mannschaft sind die, die loslassen können, manchmal auch nur ganz kurz. Sie haben ihre Gefühle nicht in der Garderobe gelassen, sie spüren, wie der Ball laufen könnte. Sie haben alles getan in der Vorbereitung und jetzt lassen sie es laufen. Es läuft wie geschmiert – sagen wir. Es hat sich so gefügt. Ich habe es gespürt. Das „es“ passt nicht so sehr in die Sprache der Vernunft, mehr in die des Gefühls. Deshalb wird Afrika erfolgreich sein bei den Spielen, auch mit seinen hunderten Legiönären. Weil Afrika das Loslassen besser kann als alle anderen, geübt im Tanz, in der Musik, in der Hitze des Südens. In manchen  Sprachen des großen Kontinents Afrika gibt es gar kein Wort für „Zukunft“. Jetzt, heute lebe ich. Und jetzt bin ich offen für den magischen Moment. Es sind tiefe Glaubenserfahrungen, an die der Sport anknüpft. Schifliegen in der Luft und loslassen, Speerwerfen und loslassen, Fußball spielen und den Ball loslassen. Diejenigen werden am meisten ausgelacht, die nicht abgeben können. Die Macht abgeben, das können alle vom Fußball lernen. Denn die Kugel kann nur rollen, wenn sie abgegeben wird. Wie das Leben, jeden Tag. Und Tor.

Schön ist so ein Ringelspiel! KRONE BUNT

Bald ist es wieder so weit, wenn der Flieder im Prater blüht und die Wienerinnen und Wiener Lust bekommen, einen Ausflug in den Wiener Prater zu machen. Eine Stelze beim Schweizerhaus Kolaric, dazu ein Seitl Budweiser Bier. Eine Fahrt mit dem Ringelspiel oder einer der modernen Attraktionen. Vor fast hundert Jahren, im Jahr 1911, ging das erste große Ringelspiel Wiens in Betrieb. Der Protestant Friedrich Carl Schaaf, der auf der Reise seiner Eltern von Deutschland nach Wien 1859 geboren wurde, errichtete 1911 das große Aeroplankarussell so hoch wie ein Zinshaus im damaligen Wien. Hermann Leopoldi, Komponist berühmter Wienerlieder, schrieb daraufhin das Lied: „Schön ist so ein Ringelspiel! Das is a Hetz und kost net viel. Damit auch der kleine Mann sich eine Freude leisten kann. Immer wieder fährt ma weg und draht si doch am selben Fleck. Man kann sagen, was man will, schön ist so ein Ringelspiel.“ (Text: Peter Herz) Kaiser Josef II. eröffnete am 7. April 1766 das kaiserliche Jagdgebiet für das Volk: der Wiener Prater war geboren. Und er wurde ein Ort der Unterhaltung mit Hutschen und Toboggan, Schaukelpferden und Karussell, etwas, das sich auch die Arbeiter leisten konnten. Als der Kaiser den Prater für das Volk freigegeben hat, beklagten sich die Adeligen

Wien verdankt seiner kulturellen „Melange“ sehr viel!

bei ihm: „Majestät, man ist ja nicht mehr unter sich.“ Darauf antwortete der Kaiser: „Wenn ich immer unter meinesgleichen sein wollte, müsste ich mich in die Kapuzinergruft legen.“ Weil der Wurstelprater an der Grenze zwischen der bürgerlichen Welt und der „halbseidenen“ bis heute angesiedelt ist, waren es viele evangelische Familien, die sich trotz Protestantenfeindlichkeit im Prater ansiedeln durften und hier ihr vielfältiges Gewerbe ausbauen konnten. Otto Letizky, genannt Scadelli, als Bauchredner mit der Maxi-Puppe, der „Rumpfmensch“ und international angesehener Schausteller Nicolai Kobelkoff, Ludwig Pretscher mit seiner Grottenbahn, Hermann Präuscher mit dem legendären Wachsfigurenkabinett, Gustav Münstedt, Wilhelmine Budinsky als Dame ohne Unterleib und viele andere sind im Gedächtnis des Evangelischen Wien verankert. Im Prater ist die berühmte „Wiener Melange“ zu finden: Familien aller Konfessionen und Kulturen. Hermann Leopoldi wurde als Hersch Kohn geboren und konnte im letzten Augenblick nach Amerika emigrieren. Das Riesenrad ist ohne Gabor Steiner, dem eigentlichen „Vater des Riesenrades“, nicht vorstellbar. Er musste 1938 als Jude Wien verlassen. Gemeinsam gingen die Praterkinder in die Evangelische Schule am Karlsplatz. Was wäre Wien ohne seine „religiöse Melange“?

Pippi Langstrumpf hatte Recht. Aber dann darf man nicht bloggen. Denn zu selten macht es wie auch andere Dinge keinen Spass. Was war los? Mein PC war kaputt und ich war schon wieder einige Tage in Venedig. Dann kam Ostern mit der Familie, schön! Und nun? Birkenpollen?

Ich nehme mir vor, regelmäßiger …

Schau`n wir mal.

Osterhase und Palmkätzchen, KRONE BUNT

Der Osterhase ist wohl der lustigste Genosse der Kirchenfeste, ist er doch berühmt dafür, die Ostereier mit seiner ganzen Familie anzumalen und sie dann auch zu bringen. Kinder lieben die Geschichten vom „Hasenfranz“ und anderen Kinderbüchern, die wunderbar die Geschichten vom Osterhasen erzählen. Wie das alles vor sich gehen soll mit dem Eiermalen ist zweitrangig, wichtig ist der Traum von einer anderen Welt, in der es nicht um Vernunft, sondern um alte Mythen geht. Ach, könnte es doch täglich ein Wunder geben! Berühmt geworden ist der Hase durch seine besonders hohe Bereitschaft, sich fortzupflanzen. Auch die Weidenkätzchen, heute am Palmsonntag als Palmbuschen in die Kirchen gebracht, sind Symbole der Fruchtbarkeit, blühen sie doch als erste nach dem kalten Winter in betörendem Gelb. Schon tausende Jahre vor dem Christentum konnten die weisen heilenden Frauen die Weide für die Behandlung von kranken Menschen einsetzen, hat sie doch den wertvollen Stoff in sich, der das Fieber senken und Entzündungen heilen kann, heute als Aspirin berühmt. Ich bin dankbar für. die alten „heidnischen“ Bräuche, denn sie können das Christentum ein wenig mehr Bescheidenheit lehren, die es dringend braucht. Das heißt nicht, dass die Botschaft von Sterben und Auferstehen des Gottessohnes zweitrangig wäre. Die alten Bräuche erinnern nur daran, dass neben der Kultur auch die Natur Platz haben muss, neben dem Heiligen auch das Verrückte, neben der Katastrophe auch das Gelächter. Jedes Jahr von Neuem beginnt für Christinnen und Christen weltweit am Palmsonntag die Karwoche – eine Zeit, über das Wichtige im Leben nachzudenken. Denn die Erzählung von Hosianna und Kreuzige ihn!, von Treue und Verrat, von Tod und Leben ist auch heute aktuell. So viele Erwartungen an ein Idol und dann die Enttäuschung und die zerstörerische Macht des Mobs! In jedem Theaterstück, in jedem Kinofilm werden wir damit ganz direkt konfrontiert. Wir zittern mit dem Helden oder der Heldin, wir hoffen, dass sie es schaffen, dem Tod zu entkommen. Dann enttäuschen uns die Helden. Manchmal sind sie korrupt und treulos, eben ganz normale Menschen. Die Todesbringer heißen heute Mafia, Krieg, Gewalt, Feindschaft, das Duell um die Ehre – nicht viel anders als schon immer. Die Sehnsucht nach dem „Übermenschen“ bleibt bis zum nächsten Krimi. Jesus Christus hat sich weder als Idol gesehen noch als Übermensch. Auch war er kein Osterhase und kein Palmkätzchen. Und schon gar nicht war er ein Masochist. Er verherrlichte das Leiden nicht. Aber was war er dann und was kann er für uns heute sein? Ein Lied singt: „Ich weiß, dass einer mit mir geht, der auch im Schweren zu mir steht, der mich zu allen Zeiten kann begleiten.“

Eigentlich wollte ich zu Elfriede Hannerl gehen und ihrer Buchpräsentation, doch Amazon hat mich mit dem Buch von Elizabeth George „Wort für Wort“ und weiter siehe oben richtig beschenkt oder ich habe mich beschenkt. Wieso glauben wir oder glaubte ich lange, dass frau/man einfach schreiben kann oder nicht. Das ist so eine pastoale Überheblichkeit. Andere besuchen viele Seminare und studieren ein Leben lang die Schreibkunst, Pfarrers redet zu jedem erdenklichen Anlass aus dem Bauch und unterlegt seinen Bauch mit geeigneten Bibelworten.

Das Buch ist großartig. Elizabeth schreibt so einfach, eindringlich, stringent, dass es total überzeugt. Ich bin schon auf dem Sprung zu meinem ersten Roman.

KRONE BUNT: „Impfschutz gegen das Böse“

Heute scheint alles aus den Fugen zu geraten, gesellschaftliche Institutionen kämpfen um ihre Ehre. Sowohl die Kirchen als auch die Staaten sind in ihrer eigenen Moral, die sie predigen, stark angeschlagen. Deshalb nimmt die Aggression zu und das Gefühl von Sicherheit ab. Sündenböcke werden gemacht und gesucht. Das Messer sitzt bei manchen in der Hosentasche, bereit, zuzustechen. Die Hetzer sind wieder attraktiv, da sich viele betrogen fühlen um ihr Erspartes, ihre Träume, ihre Sicherheit, ihren Glauben an das Gute. Ein sicherer Arbeitsplatz wie in den 1960er-Jahren ist heute eher selten geworden.

„Woher kommen die Rechtsradikalen?“ fragt Susanne. „Ich dachte, Europa hat doch schon genug schlechte Erfahrungen gemacht.“ „Das Böse“, sagt Ewald, „ist immer mächtiger als das Gute. Denn das Gute braucht ein Hirn, das Böse nicht. Das lebt aus dem Bauch heraus. Und es kann jeden Menschen infizieren. Der einzige Impfschutz gegen das Böse in der Welt ist Bildung, ein geschultes Gewissen und der Glaube an einen liebenden Gott, einen Gott, der keine Kinder frisst wie ein Monster und der vor allem keine Opfer mehr braucht. Wer das nicht verstanden hat, wird die Beute der Hetzer.“ Irmi erzählt von ihrer Erziehung. „Ich wurde immer geschlagen bei jedem geringsten Widerstand, entweder körperlich oder seelisch. Meine Eltern hatten keine Liebe im Herzen, nur Leistung war ihnen wichtig. Jetzt schlage ich mich selbst mit den Drogen.“ Und Arthur erwidert darauf: „Ich bin auch ein geschlagenes und missbrauchtes Kind. Jetzt schlage ich andere. Ich kann so schrecklich hassen, dass ich glaube, der Verstand geht mit mir durch.“

Zwei Menschen, die in der Seelsorge von ihren Erfahrungen berichten, zwei Menschen, die nach Hilfe suchen. In der seelsorgerlichen Begleitung können sie ein wenig Trost erfahren, den Trost, den sie als Kinder nie bekamen. Geschlagene und missbrauchte Kinder sind die Saat des Bösen von morgen. Der Hass gedeiht nicht auf der Liebe, sondern auf einer jahrzehntelang angelegten Saat der Brutalität. Eine sadistische Theologie ist der Steigbügelhalter für den Menschenhass: „Sei klein, krieche vor Gott im Staub, fühle dich ohnmächtig und hilflos, fühle dich als Frau minderwertig, lebe nicht deine Freude als Mann, freu` dich nicht über deine Sexualität! Spalte dich und spalte andere.“ Diese Theologie hat vergessen, dass der liebende Gottessohn in die Welt gesandt wurde, um die Menschen von ihrem Hass auf sich selbst und auf andere zu erlösen. Denn der Mensch ist erlösungsbedürftig, sein Herz schreit nach Liebe und Anerkennung, jedes. Wo das steht? In der Bibel.